Dieses Modell (vielen Dank an Steonato) zeugt schon allein von seinem Standort -auf dem Boden- von seiner proletarischen Herkunft. Neben dem sehr sauberen beinahe kleinbürgerlich anmutenden Erscheinungsbild der Kühlkammer deutet auch die auf dem Boden neben dem Schrank platzierte Thermoskanne darauf hin, dass das Personal hier nichts viel zu lachen hat.
Aber man weiß sich zu helfen und schießt aus allen Rohren der Genussmittelindustrie gegen das Patriachat.
Da liegt die Ritter Sport (vermutlich Nougat, die Praline des kleinen Mannes) eingerahmt von den Resten der Großpackungen Kinderriegel und Duplo. Und über allem thront der Weihnachtsmann. Unversehrt und eingewickelt schläft das schokoladige Abbild des Nikolaus von Myra in seinem kalten Domizil. Schaut man genau hin wird deutlich, dass dies nicht irgendein Nikolaus ist, sondern ein edelschokoladiges Exemplar, dass entweder dem unangekündigten Gast dargeboten wird, um über nicht vorhandenen Reichtum hinwegzutäuschen oder um in ganz traurigen Momenten sich selbst von der eigenen Armut abzulenken.
Beim Vorhaben das Schicksal zu verdrängen bzw. hinfortzuspülen hilft wohl auch die in Mengen vorhandene flüssige Ablenkung in Form von Wehrmut, Likörchen und Wein. Da wird, wenn sich der Tag dem Ende neigt und der Chef mal wieder schlechte Laune hatte, sicher der ein oder andere Tropfen seinen Weg in die Blutbahn finden. Wohl bekommts
Saft, Wasser sind hier ebenso wie der Käse nur reines Schmuckwerk oder stehen im Verdacht zur Verdünnung der flüssigen Tröster zu stehen.
Eine letzte Option hat der Schrank noch zu bieten, so denn sonst nichts helfen mag: Butter und Öl: getreu dem Altkanzler der Kummer einfach mit Fett zu schmieren wusste, auf dass dieser geschmeidiger den Weg aus dem Bewusstsein fand.
